Jubiläums-Symposium in der Theresienklinik

9. Juli 2024

Von links nach rechts: M. Sherif, M. Moser, M. Eschenhagen, St. Jost, Ph. Diehl, M. Brunner, J. Rothe es fehlen: L. Sinn und und M’Dinka.
Von links nach rechts: M. Sherif, M. Moser, M. Eschenhagen, St. Jost, Ph. Diehl, M. Brunner, J. Rothe es fehlen: L. Sinn und und M’Dinka.

Zum 25. Mal fand am 6. Juli 2024 in der Theresienklinik in Bad Krozingen das traditionelle Kardiologische Symposium unter der Leitung des Chefarztes Prof. St. Jost statt. Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte aus der Region informierten sich über neue Erkenntnisse in Kardiologie und Herzchirurgie. Die Sitzungen wurden moderiert von Dr. L. Sinn, niedergelassener Kardiologe aus Bad Säckingen, und Prof. M. Moser aus dem Universitären Herzzentrum (UHZ) Bad Krozingen

Die künstliche Intelligenz (KI) bestimmt bereits heute Teile unseres Alltags und gewinnt auch in der Kardiologie ständig an Bedeutung; dazu stellte Prof. M. Brunner (St. Josefskrankenhaus Freiburg) neue Untersuchungen vor. Allein anhand eines EKGs können jetzt mittels KI zahlreiche Herzkrankheiten, aber auch völlig andere Erkrankungen mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt erkannt oder deren Entstehung vorausgesagt werden.

Prof. P. Diehl aus den Ortenau-Kliniken Lahr und Offenburg berichtete über den aktuellen Stand der Therapie erhöhter Cholesterinspiegel im Blut. Da diese heute mit gut verträglichen und preisgünstigen Medikamenten effektiv gesenkt werden können, muss insbesondere bei Patienten mit hohem Risiko oder bereits bekannter koronarer Herzkrankheit ein Zielspiegel des LDL-Cholesterins < 55 mg/dl angestrebt werden.

Seit ca. 2 Jahrzehnten kann eine verengte Aortenklappe ohne Operation über einen Herzkatheter ersetzt werden. Diese Intervention wurde bislang überwiegend bei älteren Patienten mit hohem Risiko für eine Herzoperation angewandt. Der neue Chefarzt des Kreiskrankenhauses Lörrach, Privat-Dozent Dr. M. Sherif, stellte aktuelle Studien vor, die eine geringere Komplikationsrate des interventionellen Herzklappenersatzes gegenüber der Operation auch bei jüngeren Patienten mit geringem Operationsrisiko belegen konnten. Daher dürfte künftig auch bei dieser großen Patientengruppe häufiger eine Operation vermieden werden können.

Patienten mit einer als Vorhofflimmern bezeichneten Herzrhythmusstörung haben ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko, weil sich im sogenannten „Ohr“ des Vorhofes der linken Herzkammer Blutgerinnsel bilden können, die ins Gehirn geschwemmt werden können (Embolie). Daher müssen solche Patienten zum Schutz stark blutverdünnende Medikamente einnehmen. Bei Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko können solche Medikamente gefährlich sein. Für diese Risikogruppe ermöglicht eine neue Methode seit einigen Jahren, das Vorhofsohr über einen Herzkatheter mit einem kleinen Schirm zu verschließen. Aktuelle Studien, vorgestellt von Dr. J. Rothe aus dem UHZ Bad Krozingen, belegen den guten Langzeitschutz nach dieser Maßnahme.

Bei Patienten mit sehr schwacher Herzfunktion, z. B. nach großem Herzinfarkt, die mit Medikamenten nicht mehr zu stabilisieren sind, muss in seltenen Fällen zur Lebensrettung ein total künstliches Herz anstelle des eigenen Herzens operativ eingepflanzt werden. Bislang mussten diese Hochrisiko-Patienten bis zur ihrer Herztransplantation Wochen bis Monate im Krankenhaus überwacht werden. Dr. M. Eschenhagen aus dem UHZ Freiburg stellte ein neu entwickeltes Kunstherz vor, mit dessen Hilfe Betroffene mobil sind und nach ausreichender Schulung bis zur Herztransplantation nach Hause entlassen werden können.

Im letzten Vortrag berichtete Dr. M. D’Inka aus dem Robert-Bosch- Krankenhaus in Stuttgart über den neuesten Stand der minimal invasiven Mitralklappenchirurgie. Bei dieser Methode können erfahrene Herzchirurgen über einen kleinen Schnitt im Bereich der linken Brust mit langen Instrumenten (Schlüsselloch-Chirurgie) eine defekte Mitralklappe mit ausgezeichnetem Langzeiterfolg rekonstruieren. Anders als bei der konventionellen Durchtrennung des Brustbeins sind minimal invasiv operierte Patienten rasch schmerzfrei und können den Oberkörper im Alltag schneller belasten.

Am Ende des Jubiläums-Symposiums blickte Prof. Jost auf die hervorragenden Expertenvorträge der letzten 25 Veranstaltungen zurück und bedankte sich herzlich bei allen an der Organisation Beteiligten, den Referenten und Moderatoren sowie den immer äußerst engagiert diskutierenden Besuchern.